Radurlaub im Hohenloher Land am Kocher-Jagst-Radweg

Wald, Wasser,  Sonne,  Bewegung – so lässt es sich Erholung tanken. Vor allem, wenn man keine Minute in Staus auf der Autobahn verbringen muss,  sondern nur kurz in die Bahn steigt, um schon nach einer Stunde mit den Rädern in den Urlaub zu starten.

Mein Mann und ich stiegen in den Regionalexpress von Nürnberg nach Crailsheim, um dort den Kocher-Jagst-Radweg  in 6 Etappen zu befahren. Juli, warmes Wetter,  aber nicht zu heiß,  angenehm,  manchmal windig.

Oft ist die Streckenführung über Feldwege oder separate Radwege nah am Ufer und angenehm zu fahren

Uns erwarten Etappen zwischen 55 und 70 km, was mit dem Pedelec gut zu bewältigen ist. Bei den längsten Strecken müssen wir vielleicht mittags etwas Strom tanken während des Essens, zumindest für das ältere Rad.

Wir haben die Reise vorgebucht, das heißt,  die Übernachtung mit Frühstück in Hotels, sichere Unterbringung mit Strom für die E-Bikes, und die GPX-Strecken für die Navigation sowie ein Bikeline-Buch sind dabei. 

Für den ersten Tag haben wir Ellwangen an der Jagst als Zwischenziel: da ist Landesgartenschau, und die Stadt ist sehenswert. Auf dem Marktplatz bekommen die Räder Strom. In der ganzen Stadt sind Blumen und Bäume in Containern aufgestellt.

Blick auf die Altstadt von Ellwangen

Am Abend sind wir in Aalen und machen einen Bummel durch die Altstadt.

Der nächste Tag ist wieder ganz schön voll mit der Reise am Fluss entlang: nun geht es den Kocher herunter.

Mittags schauen wir uns Gaildorf an, ein Städtchen mit langer Historie. Ein gutes Essen und Strom für die Räder liefert ein traditionelles Hotel.

Schloss in Gaildorf

In Schwäbisch Hall sind direkt auf dem Marktplatz auf der Freilichtbühne die Sommerfestspiele. Auf der Hinreise habe ich noch Karten für uns buchen können, so dass wir auch Kultur genießen können.

Die Freilichtbühne in Schwäbisch Hall

Das für uns reservierte Hotel ist der Goldene Adler direkt neben der Bühne. Dort soll schon Karl der Große weiland übernachtet haben. Was neben dem ganzen bunten Treiben auffällt: Schwäbisch Hall hat ein sehr positives Verhältnis zu Fahrrädern. Radfahren ist überall erlaubt,  praktisch ohne Ausnahme.

Es ist  auch eine sehr schöne Altstadt mit vielen tollen Gebäuden,  die auch praktisch alle genutzt werden und schön renoviert sind.  Neben den Festspielen sind auch die Würth-Kunsthalle (die bis Oktober umgebaut wird) und die Sammlung Alter Meister sehr beliebt.

In Schwäbisch Hall

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Sindringen. Hier ist die Wegführung meist auf der Seite des Flusses,  die durch Wald und Landwirtschaft geprägt ist. Am Mittag sind wir in Künzelsau und genießen die gute Küche im Hotel-Restaurant Anne-Sophie.

In Bad Friedrichshall gönnten wir uns zwei schöne Stunden im Sole-Freibad. Das ist wirklich eine gute Idee: man sitzt im Schatten unter Bäumen und schwimmt im blitzsauberen Wasser.  Mit Wellenbad und Rutsche könnte man auch Kinder beglücken.

Auf der restlichen Strecke sehen wir wieder Burgen und Schlösser. Die Damen und Herren von Hohenlohe, und auch kleine lokale Fürsten haben in fast jedem Ort ein besonderes Gebäude hinterlassen. Auch die Römer mit ihrem Limes waren sehr aktiv mit Bauten in der Gegend.

Terrasse des Hotes Krone am Fluss in Sindringen

Sehr entspannend ist der Abend und die Nacht direkt am Fluss, mit dem Abendessen auf der Terrasse zur grünen Landschaft.

Der nächste Tag führt uns fast die ganze Zeit über die alte Jagsttalbahn, die in den 1990er Jahren wie so viele stillgelegt wurde. Sehr nett für Radfahrer ist der kleine Bahnhof Möglingen, der in einen schönen kleinen Biergarten umgewandelt wurde.

In dem süßen winzigen Bahnhofsgebäude ist die Küche und Theke, an der man warme und kalte Getränke, Kuchen, frisch gebackene Fladen ähnlich wie Flammkuchen, und Hohenloher Eis bekommt.
Ein paar Tische und Stühle stehen überdacht in der Wiese.
Es ist direkt am Radweg, und daher hat der sehr saubere Toilettenwagen auch eine kleine E-Bike Ladestation- einfach vier Steckdosen. Sehr gute Lösung für den kleinen Strom-Hunger zwischendurch.
Der Cappuccino war sehr lecker, und auch das Nuss-Eis.

Biergarten Bahnhof Möglingen
Mit WC-Wagen und E-Bike Ladestation aus 4 simplen Steckdosen  – an so einer Stelle die beste Lösung.

Solche Plätze könnte man am gesamten Kocher-Jagst-Radweg noch einige einrichten. E-Bike Ladestationen gibt es ein paar, manche allerdings an Orten, wo man sich nicht gut länger aufhalten kann. Es gibt teilweise auch komplizierte Systeme,  mit denen man Fächer belegen und abschließen kann. Das beste System ist oft die einfache Steckdosenleiste in der Nähe eines Biergartens oder Cafés. Alle Systeme waren eh kostenlos,  von der Stadt oder einem Restaurant.

Eine ganze Reihe von Automaten für Getränke und Lebensmittel,  zuweilen auch Eis, sind bei Firmen oder Privathäusern aufgestellt.

Schöner ist natürlich ein Ort, wo man auch sitzen kann,  wie an diesem schönen Bahnhof,  und ein WC schadet auch nicht.

Immer wieder Schlösser in der Landschaft

Am Samstag Abend erreichten wir den hotelmäßigen Höhepunkt der Tour: die Jagstmühle in Mulfingen-Heimhausen. Da könnte man auch gut ein paar Tage die Seele baumeln lassen. Ein bisschen abgelegen, in sehr schön restaurierten alten Gebäuden,  komfortabel, und mit der schönsten Terrasse an der Jagst.

Die Jagstmühle von der Insel aus

Auch das Abendessen ist hervorragend. Man schläft sehr gut, sogar mit 2 Feiern nebenan, so durchdacht ist alles angeordnet.

Am Sonntag führt der Weg zurück nach Crailsheim,  wo wir wieder mit irgendeinem Regionalzug den Rückweg nach Nürnberg antreten wollen.

Zunächst folgen wir wieder der Jagst. Bald stehen wir wieder vor einem kleinen Bauernhof-Laden, wo wir ein paar Kleinigkeiten für zu Hause einkaufen können wie spezielle Nudeln, Honig und ähnliches. Ein weiterer Bauernhof auf der Strecke lädt sogar zum Hoffest ein.

Kirchberg an der Jagst

Unsere Mittagspause machen wir diesmal in Kirchberg an der Jagst. Ein malerischer Ort mit mehreren Schlössern, mit Restaurants und Cafés. Auf dem Weg dorthin geht es oft lange bergauf und bergab. Wir überqueren mehrere Hügel. Man sieht mal wieder viele Windräder, für mich immer ein Zeichen von Fortschritt.

Windräder am Horizont

Nach dem Mittagessen fehlen uns noch 15 km bis nach Crailsheim. Auch hier verläuft der größte Teil der Strecke ruhig auf kleinen Nebenstraßen. Gemütlich, sonnig, ländlich sind die Wege. Immer mal wieder hin und her über die Jagst. Wir sehen seit Tagen große Vögel: Störche und Reiher stehen in den Wiesen. Oben kreisen schon mal größere Greifvögel: heute ein roter Milan, vorher mögen schon mal Falken oder Mäusebussarde unterwegs gewesen sein.

Vielleicht ein Mäusebussard ?

So genießen wir die Landschaft,  bis wir schließlich an der Jagst entlang nach Crailsheim hinein rollen. Als wir am Bahnhof ankommen, sind wir 344 km in dieser Woche gefahren.

Blick auf Crailsheim

Alles in allem: ein schöner, entspannter Urlaub mit viel Bewegung,  viel Sonne,  und guter Stimmung.

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